Germanwings 9525 A320 abgestürzt

  • Man kann es auf die Journalisten und Sender schieben, aber ich sehe es etwas differenzierter.


    1. Vieles vom Journalismus ist kein Journalismus, sondern PR.
    Wir machen uns viel zu wenige Gedanken darüber, wie wenig Personal die Verlage tatsächlich haben und wie viele Informationen sie sich zukaufen und wie viel da auch von Unternehmen gesponsert wird. Wenn im HitRadio FFH das Tagesthema "Urlaubsplanung" ist und Rob Green da erzählt, dass er "live" den Herrn Prof. Dr. Urlaub in der Leitung hat, der über den optimalen Buchungszeitpunkt für All-Inclusive-Reisen redet, dann ist das weder live, noch hat Rob Green das Interview geführt. Das hat TUI von einer Agentur produzieren lassen, das Skript mit den Anmoderationsvorschlägen ist im Presseportal und die Antworten des "Experten" sind bereits fertig geschnitten.


    Oder was glaubt ihr, was Mercedes dafür zahlt, dass bei Galileo das "neue, innovative automatische Bremssystem" getestet wird? Und wenn in einer Zeitung etwas über gesunde Ernährung steht, dann kommt das auch nicht von einer Redakteurin. Das kommt von eine Presse-Abteilung in einem Unternehmen, welches damit Umsatz bezweckt. Die Verlage und Radiosender finanzieren sich über solche bezahlten Inhalte. Die Unternehmen nehmen ihnen die Arbeit ab, kreative und unterhaltsame Beiträge zu recherchieren und zu produzieren.


    Und wenn auf NBC Sully Sullenberger gegen Airbus schießt, und auf das Boeing-System schwört, dann wird das auch nicht zufällig gesendet. Es hat in Amerika zum Beispiel keiner gesendet, dass der Absturz in San Francisco hätte verhindert werden können, wenn die Boeing ein Airbus gewesen wäre. Und was wurde ein Trubel wegen des brennenden Tesla Model S gemacht...



    2. Die Zeitung interessiert am Ende des Tages ihr Umsatz.
    Müssen die ganzen Journalisten am Ende des Tages Umsatz machen. Umsatz ist deren Überlebensgröße. Genau wie eine Facebook-Seite Likes braucht, braucht eine Zeitung Käufer. Und wer will denn jeden Tag vom Mittelmeer, Afghanistan, Israel, Russland, dem Dschungel, den Eiskappen, dem Klimawandel, dem Bienensterben, etc lesen? Die Titelseite muss packend sein, damit die Zeitung gekauft wird. Und wenn eine nackte Frau drauf ist, die ich mir ausschneiden und in den Schrank kleben kann, umso besser! Solange die Zeitung gekauft wird, erreicht die Zeitung ihre Auflage, zahlt der Werbekunde seine Rechnung, ist die Zeitung gerettet. Wenn wegen des irrelevanten PR-Artikels am Ende des Tages 1-2 % ein Produkt kaufen, rechnet sich der Marketing-Kanal "Zeitung" oder "Radio" für das Unternehmen. Interessiert den Werbekunden doch nicht, was mit dem Rest ist. Solange der Käufer ein/zwei Artikel gelesen, oder Beiträge gehört hat, die er interessant fand, wird er die Zeitung wieder kaufen. Und die anderen Sachen überliest oder überhört er einfach.


    Und wir haben auch alle auf die Links geklickt, bei denen vermeintlich etwas neues zum Thema stand. Dass bei jedem Klick Focus-Online Werbeeinnahmen aus Google-Adsense und Google Werbeeinnahmen aus Google AdWords hatte, hat uns dabei auch nicht interessiert. Und wir haben uns auch brav die 30 Sekunden-Spots angesehen, die vor dem 45 Sekunden-Video gezeigt wurden.


    3. Guten Journalismus finden die Menschen toll, solange er nichts zusätzlich kostet.
    Wir kennen es alle: zahlen wir wirklich 2 Euro für ein Tages-Abo, um den Artikel online zu lesen? Oder googlen wir einfach nach einer anderen Quelle, die den selben Inhalt kostenlos anbietet? Jeder beschwert sich in Deutschland über den "Gebührenservice", obwohl damit genau das finanziert wird, was sich alle wünschen würden: seriöser Journalismus. Und ich höre dich schon, lieber Dude, dass die ÖR es ja auch nicht besser machen, und vielleicht ist da auch einiges an Beeinflussung und Kontrolle durch die Politik. Aber mit Sicherheit nicht in dem Maß, wie es bei den privaten Medien ist.



    Aus dem Dilemma sehe ich aber auch keinen wirklichen Ausweg. Wenn sie Sender guten Journalismus machen wollen, brauchen sie mehr Geld. Dafür brauchen sie Werbekunden. Für guten Journalismus müssten sie die Werbekunden aber loswerden. Dann müssten sie das Geld anderswo herbekommen. Wenn sie die Zeitung teurer machen, konsumieren die Verbraucher eben eine andere Zeitung. Ich frage mich: brauchen wir die Journalisten dann eigentlich überhaupt noch? Wenn wir sowieso bei jedem Artikel zweimal überlegen müssen, wer denn wohl davon finanziell profitiert, dass es genau so geschrieben steht, oder gesagt wird... Den Vorteil der Filterfunktion gegenüber der Social Media besteht dann eigentlich nicht mehr.


    Wird man dann künftig die PR-Artikel auf den Facebook-Seiten lesen? Und die Breaking-News auf Twitter? Und was passiert dann mit investigativem Journalismus? Wer finanziert den?


    Aber jetzt bin waaaaay off topic geraten....

    Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure.
    It is our light, not our darkness that most frightens us.

  • Die "realistischen" Theorien die ich so mitbekommen habe, die so meine Kollegen und Freunde aufgenommen haben, kamen aus den Medien. Der größte Dünnschiss kam von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern, KenFM's und sonst welchen Leuten.
    Vielleicht kenne ich auch die "falschen" Leute, die das alles etwas mehr hinterfragen?

    Nö, das stimmt schon, zumindest im Ansatz.


    Die wirklich haarsträubenden Verschwörungstheorien und der geistige Dünnschiss, kamen von irgendwelchen Deppen, die meinen ihre Ergüsse im Netz verbreiten zu müssen.
    Und ich war doch äußerst erstaunt, dass auch einige wenige unter meinen Bekannten, die ich sogar für intelligent halte, auf solche Statements verwiesen haben und den Scheiß offensichtlich zu glauben schienen ...


    Aber es ist schon korrekt, die wilden Verschwörer stammen nicht aus den Medien, aber die werden üblicherweise auch einfach nur belächelt.


    Was die "reailistischen" Theorien betrifft, so macht das aber doch keinen Unterschied.
    Die sind eher noch schlimmer, denn die werden nicht belächelt, bringen aber am Ende auch nix.
    Letztlich ist es egal, wie hanebüchen oder realistisch diese ganzen Theorien sind, sie sind alle für den Arsch, solange sie kein Wissen zur Folge haben.
    So oder so, Energieverschwendung, ... naja, den Verschwörungsnummern kann man immerhin noch sowas wie einen gewissen, wenn auch fragwürdigen, Unterhaltungswert zusprechen ;) .
    Und zumindest haben die Verschwörungstheoretiker nicht Angehörige und andere direkt und indirekt Betroffene mit reingezogen, statt ihnen ihren Raum für ihre Trauer zu lassen.


    Egal, so oder so, meiner Meinung nach verbietet sich in slchen Dingen jedwede Speklation und jedes Rumtheoretisieren in der Öffentlichkeit.


    Betroffenheit und Anteilnahme?
    Klar, keine Frage.


    Penetrantes Einmischen und das in die Öffentlichkeit zerren von trauernden Menschen?
    Nein, NoGo.


    Kritische Betrachtung und Hinterfragung von Berichten und Stellungnahmen?
    Natürlich, Niemand sollte den gesunden Menschenverstand abschalten.


    Wilde Spekulationen und Mutmaßungen erstmal drauf los ohne jedes Faktum?
    NoGo.


    Es geht nicht darum, wer mit den realistischeren Theorien kommt.
    Es geht um besonnen und umsichtigen Umgang mit solchen Themen.
    Und je mehr Menschen man erreicht, desto mehr sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein.



    Im Gegenteil: Es wurde erklärt, warum ein Jet direkt danach über dem Gebiet aufgetaucht ist und das dass überhaupt nichts besonderes ist....

    Natürlich gibt es auch mal positive Beispiele und das ist ohne Zweifel eines davon.
    Wäre nur schön, wenn es mehrere davon gegeben hätte.


    Ich will es auch gar nicht nur auf die Medien schieben.
    JEDER trägt eine Verantwortung, aber wie gesagt:
    Je mehr man erreicht, desto größer wird die Verantwortung.

  • Was den Müll, den Mario Rönsch und sein Kollektiv der Anonymen verzapft hat, finde ich das hier eine ganz gute Antwort, auch wenn ich sonst nicht viel von ihm halte:



    Ich fand das, was von vielen Luftfahrtexperten (den tatsächlichen wie Andreas Spaeth) kommuniziert wurde an Theorien, eigentlich im Rahmen und durchaus plausibel. Da ist auch nichts schlimmes daran, so lange es nicht dazu übergeht, dass Leute das für Fakten halten oder auf Grund dieser Theorien anfangen, Entscheidungen zu treffen. ("Ich flieg nie mehr Airbus.")




    Findest du das nicht ein bisschen bevormundend? Wo hören wir dann auf? Am Ende kann doch nur jeder für sich selbst für sein Handeln in die Pflicht genommen werden, denn er alleine trägt die volle Verantwortung für seine Taten und alle daraus entstehenden Konsequenzen. Wenn wir aufhören, uns Bürger als mündig und selbstbestimmt anzusehen, dann können wir unsere Idee einer liberalen Demokratie gleich über den Haufen werden und zurück in die Monarchie gehen, da konnte man auch ganz gut von oben bestimmt werden und musste sich um nichts mehr kümmern.


    Ich sehe hier ganz klar die Bürger in der Pflicht, sich selbst verantwortungsvoll und bewusst zu informieren. Und dass SPON und Bild (/online) eben dafür keine geeigneten Quellen sind, ist keine Raketenwissenschaft. Daher finde ich absolut jeden, der die Seiten besucht, und sei es auch "nur wegen dem ganz guten Sportteil" absolut erbärmlich, denn er unterstützt mit seiner Entscheidung eben diese Rotze. Das geht leider in Deutschland schrecklich schief, und das lässt mich auch immer wieder an demokratischen Systemen scheitern.


    Natürlich bedienen die Medien nur eine Nachfrage. Dazu sind sie ja auch als Firma in einem kapitalistischen Staat gezwungen und das ist ja auch in Ordnung so. Ich sehe die Verantwortung dafür, dass solcher Dünnschiss nicht passiert, klipp und klar bei den Konsumenten, denn sie treffen die Entscheidung, sich das zu kaufen. Und die treffen sie bewusst.

  • Findest du das nicht ein bisschen bevormundend? Wo hören wir dann auf?

    Und genau da liegt das Dilemma .... ;)
    Sicher, das kann man wohl so sehen und es ist ein seeeeehr schmaler Grat, auf dem man da geht.


    Hat der Drogenverkäufer eine Pflicht zur Verantwortung, oder kann er sich rausreden, dass ja schließlich seine Käufer das Zeugs konsumieren? ;)
    Der Waffenhersteller oder -händler, der nicht dafür verantwortlich ist, dass mit den Waffen Menschen getötet werden?
    Der Alkohol- Zigaretten- und Wasweißichnochhersteller und -verkäufer?


    Menschen sind leider mitunter wie kleine Kinder .... setzt man ihnen keine Grenzen, machen sie was sie wollen, egal ob es gut oder schlecht für sie ist.
    Setzt man ihnen Grenzen, testen sie sie immer wieder aus um zu sehen, wie weit sie gehen können, bis Konsequenzen folgen.
    Anders ist es bei den Erwachsenen auch nicht.
    Der Unterschied ist nur:
    Die Kinder wissen es nicht besser.
    Bei den Erwachsenen sollte es anders sein.


    Wie würde der Straßenverkehr aussehen, gäbe es keine Regeln?
    Rücksicht? Umsicht?
    Der allererste Paragraph in der Straßenverkehrsordnung ist der, welcher gegenseitige Rücksichtnahme gebietet.
    Echt jetzt? Sowas muss den Menschen gesetzlich bzw. per Duchführungsverordnung auferlegt werden?
    Ich finde das unfassbar.


    Aber schauen wir mal in Länder, in denen es diese Form der Regelung nicht gibt oder sie eben nicht so sonderlich überwacht werden (sprich= das Austesten der Grenzen ergibt, dass keine Konsequenzen folgen), davon gibt es einige, nicht mal unbedingt weit weg, sogar in Europa.
    Die Unfallstatistiken sprechen klare Worte darüber.


    Aber dennoch hast Du ja recht:
    Es IST eine Bevormundung.
    Aber offensichtlich braucht der Mensch das, zumindest wenn man im Rahmen einer zivilisierten Gesellschaft lebt.


    Es ist eine unglaubliche Gratwanderung zwischen Bevormundung und der Freiheit des Einzelnen.
    Ab wann darf oder gar, muss man eingreifen?
    Ab wann sind die Grenzen soweit gedehnt, dass man beginnt, Schaden an anderen anzurichten?
    Ab wann muss von externer Seite eingeschritten werden, wenn der eigene gesunde Menschenverstand versagt?


    Diese Fragen stellen sich (leider) überall, in allen Bereichen.
    Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die das zu entscheiden haben.


    Mir wäre es einfach nur lieber, wenn Menschen von sich aus ihren Verstand einschalten und sich einfach mal zurückhalten, wenn es angebracht ist und nicht jeden Scheiß auf die Bevölkerung loslassen, nur weil sie können und es zumindest nicht ausdrücklich verboten ist, und sich dann darauf rausreden, dass der Konsument doch einen gesunden Menschenverstand habe, damit entsprechend umzugehen.


    Und unsere Presse läuft mehr und mehr aus dem Ruder, aber leider genauso auch die Menschen, die meinen, das Internet sei ihr persönliches Sprachrohr und sie können nun jeden Schmonz in die Welt hinausposaunen, möglichst noch im Schutze der Anonymität des Netzes.
    Das finde ich traurig.


    Und der Haken dieser Bevormundung ist, dass all diejenigen, die tatsächlich Umsicht und Menschenverstand walten lassen, und davon gibt es auch viele, gleich mit darunter zu leiden haben und das wegen einiger, aus dem Ruder gelaufenen Spackos, und das ist eine mindestens genauso große Ungerechtigkeit ...

  • Der vorläufige Untersuchungsbericht:


    http://www.bea.aero/docspa/201….en/pdf/d-px150324.en.pdf



    Was SPON und Bild als "Co-Pilot erprobte Absturz schon auf Hinflug" betiteln, steckt folgendes hinter:




    http://avherald.com/h?article=483a5651/015&opt=0

  • Interessant für mich ist die tatsache, dass er ja wohl schon eigentlich unter massiver Beobachtung in Bezug auf sein Medical stand. Was das für andere mit "nicht ganz geradeaus verlaufenden Gesundheitsverläufen" wohl bedeuten wird, wenn jetzt die Schrauben angezogen werden....

    mein_verein.jpg
    Die Nummer 1 im Münsterland!
    7 Spiele, 5 Siege, 2 Remis
    17 Punkte, 11:3 Tore!

  • Vielleicht doch eine Psychose.

    Eine Psychose bedeutet grundsätzlich einen Realitätsverlust, nur weil man Zweifel hat und vielleicht doch noch gegen den eigenen Überlebensinstinkt kämpft, deutet das nicht gleich auf eine Psychose hin.



    Was das für andere mit "nicht ganz geradeaus verlaufenden Gesundheitsverläufen" wohl bedeuten wird, wenn jetzt die Schrauben angezogen werden....

    Genau das ist eben auch meine Befürchtung .... wäre nicht das erste Mal, dass da gleich eine ganze Gruppe unter "Generalverdacht" gestellt wird ...

  • Eine Psychose bedeutet grundsätzlich einen Realitätsverlust, nur weil man Zweifel hat und vielleicht doch noch gegen den eigenen Überlebensinstinkt kämpft, deutet das nicht gleich auf eine Psychose hin.

    Eine Psychose bedeutet auf gar keinen Fall GRUNDSÄTZLICH einen Realitätsverlust.
    Ich habe drei Monate in den LVR Kliniken Hospitiert, der Überwiegende Teil der Patienten mit Psychosen hatte keine Verminderung des Wahrnehmungs- oder Realitätsverlustes.
    Einfacher Serotonin, Glutamate oder Dopamin Mangel kann Psychosen (als Oberbegriff) auslösen. Auch selektiv. So können Sie unter dritten vollkommen normal denken und reagieren, so bald Sie alleine sind aber ihren Gedanken vollkommen ausgeliefert.
    Das soll jetzt nicht auf diesen Piloten projektiert werden, aber konkret ausschließen möchte ich es auch nicht.

  • Eine Psychose bedeutet auf gar keinen Fall GRUNDSÄTZLICH einen Realitätsverlust.

    Jain ... aber eher nein als ja ;) .


    Vom Normalen zum Neurotischen gibt es einen kontinuierlichen Übergang.
    Davon streng abgegrenzt werden die Psychosen.
    Psychotische Störungen unterscheiden sich von neurotischen qualitätiv und kategorial, nicht einfach im Schweregrad.
    Psychose ist die allgemeine Kategorie für eine Reihe schwerer psychischer Störungen, bei welchen Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens und der Emotionalität auftreten.
    ..... Diese extrem pathologischen Reaktionen sind möglicherweise die Ursache dafür, dass die Person den Kontakt mit der Realität verliert ...
    [Zimbardo Psychologie] (Direktzitat aus dem Buch)
    (Sorry, krieg es nicht hin, das in ein Zitat zu packen, ohne dass es automatisch zerteilt wird....)



    So hab ich es jedenfalls auch im (Psychologie-) Studium gelernt ;) .


    Es gibt natürlich auch kurzwährende, sog. akute psychotische Störungen, der Kern der Symptomatik ist aber der Gleiche.
    Es trifft zu, dass die von Dir genannten Faktoren Psychotische Zustände hervorrufen können, das sind dann Beispiele für
    solche akuten psychotischen Störungen, aber auch die weisen dann die für eine Psychose bezeichneten Merkmale auf.


    Ein wenig abgegrenzt werden muss, wenn der Begriff "psychotisch" im Zusammenhang mit anderen Diagnosen verwendet wird.
    So besagt etwa der Begriff "psychotische Depressive Episode" nicht, dass die Person psychotisch ist, sondern die Ergänzung "psychotische" wird auch dann verwendet, wenn es zusätzlich, die Depression beeinträchtigende Begleiterkrankungen gibt, wie z.B. eine Angststörung.
    In solchen Fällen hat man es in der Tat nicht mit einem Realitätsverlust zu tun, obwohl man darüber z.B. in Bezug auf eine Angststörung sicherlich etwas philosphieren kann...


    Den Begriff Psychose findet man in einer Reihe von Störungen, welche in der ICD10 definiert sind, die meisten in der F29 Kategorie, alleinstehend z.B. unter F29 "nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose" und F09 als "nicht näher bezeichnete organische psychische Störung".


    Worauf ich jedoch hinaus wollte ist, dass man aufgrund dieser einen Handlung keine Rückschlüsse auf eine solche Störung ziehen kann, bzw. sollte ...
    Es kann sein, dass ihm Stimmen befohlen haben, das Flugzeug zum absturz zu bringen und er sich eine zeitlang dagegen erfolgreich wehren konnte, es kann aber auch ein Kampf gegen die Depression oder im Rahmen einer solchen gegen den Überlebensinstinkt sein.
    Allein auf diesem Merkmal gleich den Begriff "Psychose" raus zu holen, halte ich für ... na sagen wir "gewagt" ;) .

  • "When my time on Earth is gone, and my activities here are past, I want they bury me upside down, and my critics can kiss my ass."Bob Knight


    „Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.“Arthur Schopenhauer

  • Wenn eine Depression geheilt ist, ist sie geheilt. Sonst müsstest man jeden, bei dem diese Diagnose mal gestellt wurde aus jedem Job verbannen, in dem Verantwortung für Menschenleben da ist. Und fragt lieber nicht, wieviel depressive Ärzte, Polizisten, Busfahrer oder Lokführer oder Heilpraktiker es gibt ....
    Und nur, weil die Biochemie mal aus dem Rahmen fällt und eine Depression entsteht, heisst das nicht, dass es immer wieder passiert, wenn die Therapie funktioniert hat.


    Übrigens kann eine Depression jeden aus dem Kalten erwischen. Und das Problem daran ist, dass man es nur sehr schwer an sich selber bemerkt!
    Schon mal längere Zeit niedergeschlagen gewesen? Schlecht geschlafen? Unkonzentriert gewesen? Willkommen bei den Depressiven!


    (O.K. die letzten Sätze sind etwas überspitzt, aber im Prinzip läuft es drauf raus.)

    Hey Uwe, so überspitzt sind sie nicht. Mich hat es Mitte Februar "kalt erwischt". Nach gut 3 Monaten kann ich drüber reden und sehe vieles (passt hier gut rein) jetzt anders. In der Nachschau wars auch kein "kalt erwischt" sondern ein schleichender Prozess der sich so ca. über 1 Jahr entwickelt hat; bis der letzte Tropfen fehlte um das Fass zum überlaufen zu bringen und der mir den Boden unter den Füssen weggerissen hat.


    Das schlimmste gerade in der Akutphase war das Warten auf den Begin der Therapie; ich habe so ca. 100 Telefonate benötigt um mit einem 8 wöchigen Vorlauf einen Termin beim Facharzt zu bekommen (zum Glück habe ich einen fähigen Hausarzt, der mich medikamentös einstellen konnte); auf die psychtherapeutische Begleitung warte ich immer noch. Dass sich in einer solchen Situation ein Erkranker andere "Lösungsmöglichkeiten" ausdenkt, kann ich jetzt nachvollziehen.