NRW-Regierung will Nachtflugverbot vor den Neuwahlen
18.03.12 (Airlines)
Anti-Fluglärm-Stimmung spitzt sich zu – zweifelhafte Rolle des Kölner Stadt-Anzeigers
Die rot-grüne Minderheitsregierung plant ein Verbot für nächtliche Passagierflüge am Flughafen Köln/Bonn noch vor der Landtagswahl am 13. Mai. Der Entwurf für eine Anordnung liege Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) zur Unterzeichnung vor, teilte dessen Staatssekretär Horst Becker (Grüne) dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Link) mit.
Nach dem Ergebnis einer Expertenanhörungen im Landtag rechtfertigten weder rechtliche Gründe noch wirtschaftliche Effekte nächtliche Passagierflüge ab Köln/Bonn.
Es gilt dem Bericht zufolge als sicher, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) seine Zustimmung zu dem Verbot verweigern wird.
Unsere Meinung zum Thema Fluglärm und zur Rolle des Kölner Stadt-Anzeigers
Lärm grundsätzlich sowie Fluglärm im Speziellen sind große Probleme unserer Zeit, besonders in der Nacht. Für gerechtfertigten Protest gegen Fluglärm und den Wunsch der Flughafenanlieger nach Nachtruhe haben wir Verständnis. Wir halten einen fairen Dialog, der die sachlichen Argumente beider Seiten sieht und die Chance zu tragfähigen Kompromissen öffnet, für dringend notwendig.
Gerade deshalb aber haben wir kein Verständnis für polemische und sachlich falsche Äußerungen von seiten der Fluglärmgegner wie u.a. Klaus Stich, Vorsitzender der beratenden Fluglärmkommission am Flughafen Köln/Bonn, der in Interviews mit durchweg fehlender Sachkenntnis auffällt und die Bevölkerung mit Unwahrheiten verschreckt, wie dass Ryanair in der Nacht fliege. Wir haben kein Verständnis für den einseitigen, an eine Hetzjagd erinnernden Aktivismus eines Horst Becker, der sich gerechtfertigten Gegenargumenten verschließt. Ebenso kein Verständnis haben wir dafür, dass der Kölner Stadt-Anzeiger bzw. die Zeitungen der Mediengruppe DuMont Schauberg in dieser wichtigen Angelegenheit solchen polemischen und unwahren Aussagen eine Plattform bietet und sie in der ganzen Region verbreitet, ohne sie einer sorgfältigen Recherche zu unterziehen und Gegenargumenten Raum zu widmen.
Gerade als Vertreter der Bürger und gerade dann, wenn man von der Gegenseite Ehrlichkeit einfordert, sollte man selbst ehrlich und sachlich bleiben. Dies vermissen wir bei Vertretern der Lärmschutzgemeinschaft, der Fluglärmkommission und der Landesregierung deutlich.
Und gerade wenn man – wie der Kölner Stadt-Anzeiger – als Druckpressemonopolist in der Region tätig ist, sollte man sich der ausgewogenen und sachlichen Berichterstattung verpflichtet fühlen.
Zum Thema Fluglärm gehört nicht nur die einseitige Berichterstattung über die Belastung der Bevölkerung. Dazu gehört auch das Nachdenken über Bebauungspläne und Ansiedlungspolitik der Flughafenanliegerstädte- und Gemeinden und das Nachdenken über die Dinge, die von den Lärmgegnern bewusst ausgelassen werden. Denn wie kann es sein, dass immer noch Neubaugebiete in den Einflugschneisen erschlossen werden? Wie kann es sein, dass sich immer noch Bürger mit Wissen um den Fluglärm dort niederlassen, Nutzen aus den niedrigen Gründstückspreisen oder Mieten ziehen, und sich dann umgehend dem Protest gegen Fluglärm anschließen? Wie kann es sein, dass die massiven, freiwilligen Leistungen des Flughafens zum Lärmschutz von Zeitung und Lärmschutzvertretern einfach übergangen werden? Wie kann es sein, dass aktive Lärmschutzmaßnahmen wie das neue Continuous Descent-Anflugverfahren kaum thematisiert werden? Wie kann es sein, dass man fortlaufend neue Flugzeugtypen zum Sündenbock macht? Erst war es die alte Boeing 747-100, die man nicht schnell genug loswerden wollte, nun ist es die MD-11. Wenn die nicht mehr fliegt, wird man sicherlich einen neuen Sündenbock finden.
Und wie kann es sein, dass der Kölner Stadt-Anzeiger Zuschriften, die sich kritisch, aber sachlich mit den Fluglärmgegnern auseinander setzen, gar nicht abdruckt und aus seinen Online-Kommentaren löscht (so geschehen beim Autor dieses Artikels)?
Wir meinen, dass ein offener, fairer Dialog zwischen Lärmgegnern und Nachtflugbefürwortern dringend nötig ist. Wir meinen aber auch, dass auch sowohl Vertreter der Lärmgegner als auch der Kölner Stadt-Anzeiger als Pfeiler der regionalen öffentlichen Meinungsbildung zuerst zu einer sachlichen, fairen Diskussion zurück kehren müssen. Erst dann kann dieser wichtige Dialog um mehr Lärmschutz überhaupt stattfinden und zu Lösungen führen, die alle Seiten abwägt und zu einem tragfähigen Kompromiss kommt.