Der Vertreter von Air France in Rio schloss aus, dass ein Blitzschlag zum Absturz der Maschine geführt haben könnte. Der Airbus sei so konstruiert, dass der Pilot auch in einem solchen Fall nach Rio hätte zurückkehren können. Generell halten Luftfahrtfachleute die Gefahr durch Blitzeinschläge für äußerst gering, da der metallene Rumpf als Faradayscher Käfig wirkt. Die Air-France-Leitung in Paris glaubt dennoch, dass das Flugzeug vom Blitz getroffen wurde – obwohl ein Airbus auch schweren Tropenstürmen standhalten muss. Laut Air France ist das etwa 60 Meter lange Flugzeug seit 2005 im Einsatz und wurde zuletzt am 16. April gewartet. Der Pilot hatte demnach rund 11.000 Stunden Flugerfahrung, darunter 1700 auf diesem Flugzeug. Laut Airbus bietet der Flugzeugtyp bis zu 253 Passagieren Platz. Die verkürzte Version des A330 ist seit 1998 im Einsatz; derzeit gibt es davon 241 Exemplare. Dass eine Katastrophe passiert sein musste, war schnell klar, da die mitgeführten Spritvorräte höchstens bis zum frühen Montagnachmittag ausreichten.
„Es muss ein unglückliches Zusammenspiel gegeben haben“, mutmaßte Minister Borloo. Am Nachmittag entschied Präsident Sarkozy, französische Aufklärungsflugzeuge vom Typ Breguet Atlantique in die mögliche Unglückszone zu entsenden: „Wir müssen alles tun, um die Spur des Flugzeugs zu finden.“ Als der Staatspräsident am Nachmittag im Krisenzentrum am Flughafen Roissy eintraf und den Familien sein Beileid ausdrückte, wirkte er sichtlich schockiert. Sarkozy kennt die Flugstrecke Rio de Janeiro–Paris besser als viele andere. Der leibliche Vater seiner Ehefrau Carla Bruni, Maurizio Remmert, lebt in Brasilien, in São Paulo. Carla Brunis Halbschwester Consuelo Remmert arbeitet im Elysée-Palast. Das letzte Weihnachtsfest verbrachte Sarkozy mit Carla Bruni in Brasilien. 2009 ist zudem das „Jahr Frankreichs in Brasilien“ mit einer Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen. Es wurde von Sarkozy persönlich eröffnet.
Die Passagierliste des Unglücksflugs 447 wurde von Air France am Montag noch unter Verschluss gehalten. Das ermöglichte wilde Spekulationen. Nach einem im Internet verbreiteten Gerücht, der Chef der Pariser Großbank BNP-Paribas sei an Bord gewesen, sank der Aktienkurs von BNP vorübergehend. Auch der Kurs von AirFrance-KLM fiel. Das Auswärtige Amt hat derweil noch keine Erkenntnisse über Deutsche an Bord der Air France Maschine. Nach Angaben des für Verkehr zuständigen französischen Umweltministers Jean-Louis Borloo sollen jedoch auch mehr als 20 Deutsche in der Maschine gewesen sein. Borloo zufolge waren auch mindestens 40 Franzosen an Bord. Die meisten Passagiere waren Brasilianer. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete, dass fünf Italiener an Bord gewesen sein.
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