Nach Protesten aus Sachsen will die Deutsche Bahn die Anzahl der Fernverkehrsverbindungen im Freistaat doch nicht so stark einschränken, wie bislang beabsichtigt. Laut einem am Mittwoch veröffentlichten Konzept der Bahn müssen sich Reisende ab Dezember allerdings auf viele Fahrplanänderungen und häufiges Umsteigen einstellen. Dem Konzept liege die Annahme zugrunde, dass die ICE-T Züge weiterhin nur ohne aktivierte Neigetechnik fahren können, teilte die Bahn mit. Ein erster Entwurf des Unternehmens hatte vorgesehen, im Freistaat künftig deutlich weniger Verbindungen im Fernverkehr anzubieten.Kein Stundentakt zwischen Dresden und Leipzig
Nach Angaben der Bahn bleiben Leipzig, Dresden und Riesa wie bisher an das Fernverkehrsnetz angeschlossen. Wo es möglich sei, werde es weiterhin einen 60 Minuten-Takt geben, sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Sachsen, Artur Stempel. Allerdings würden einige Linien verändert und zum Teil die Laufwege sowie die Endpunkte der Züge getauscht. Dadurch verlängerten sich die Reisezeiten. Zwischen Dresden und Leipzig sollen die Züge nicht mehr im Stundentakt, sondern im Wechseltakt alle 40 beziehungsweise 80 Minuten fahren. Dazu wird nach Angaben von Stempel die bisherige IC-Linie aus Oldenburg und Hannover bis nach Dresden verlängert. Bisher enden diese Züge in Leipzig.
Zwischen Dresden und Frankfurt/Main sollen künftig nur noch alle zwei Stunden Direktzüge verkehren. Die Anzahl der Verbindungen zwischen Leipzig und Frankfurt bleibt dagegen erhalten. Zwischen Leipzig und München wird der bisherige Stundentakt aufgegeben und durch einen Zweistunden-Takt ersetzt. In den Stunden dazwischen könnten die Reisenden allerdings eine Verbindung mit Umstieg in Naumburg (Saale) nutzen, teilte die Bahn mit.
Die ICE-Linie Berlin-München wird künftig wechselseitig über Leipzig oder Halle/Saale geführt, geht aus dem Konzept hervor. Um zwischen Leipzig und Berlin weiter einen Stundentakt zu erreichen, richtet die Bahn eine neue Linie Hamburg-Berlin-Leipzig ein. Damit werde die Zahl der umsteigefreien Verbindungen zwischen Hamburg und Leipzig wieder erhöht.
Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) begrüßte die verbesserten Zusagen der Bahn. Das Unternehmen habe zudem deutlich gemacht, dass es sich bei den vorgesehenen Kürzungen im Angebot nur um Übergangslösungen handelt. "Sobald die Neigetechnik wieder rollen kann, wird die Bahn zum gewohnten Fahrplan zurückkehren", sagte Morlok. Er bedauere, dass der Stundentakt zwischen Dresden und Leipzig ab dem Winterfahrplan entfällt, damit verliere diese wichtige Verbindung an Attraktivität. Weil zumindest in der morgendlichen Hauptverkehrszeit die Züge auch weiterhin stündlich fahren, würden Pendler jedoch nicht gezwungen, auf das Auto umzusteigen, erklärte Morlok.