Beiträge von Torti_294

    Zugschlaf

    06. Februar 2010, 10:21 Uhr

    Wer den ICE zu ungewöhnlichen Tageszeiten benutzt, trifft zuweilen auch ungewöhnliche Leute. Neulich zum Beispiel musste ich schon so früh in Frankfurt sein, dass ich direkt den allerersten Zug morgens um 4.20 Uhr ab Köln nahm.

    Die erste Überraschung erlebte ich direkt am Bahnsteig: Trotz der Minustemperaturen, die an dem Tag herrschten, war der ICE pünktlich. Das war mir schon seit Wochen nicht mehr passiert. Außerdem war er angenehm leer. Mühelos fand ich einen Sitzplatz in einem Sechserabteil.

    Außer mir saß dort noch ein weiterer Passagier. Er wirkte leicht zerknittert und gähnte verstohlen in seiner Fensterplatzecke. „Ist echt noch wahnsinnig früh", sagte ich, um ihn ein wenig aufzumuntern. „Wie man's nimmt", antwortete er gleichmütig. „Ich fahr' schon die ganze Nacht Zug."

    Das wunderte mich. Schließlich kam der ICE bloß aus Dortmund. Da konnte er nicht die ganze Nacht gebraucht haben, um nach Köln zu reisen. Wahrscheinlich kam er irgendwoher aus Norddeutschland und war in Dortmund umgestiegen.

    Ich muss fragend dreingeschaut haben, denn er begann schon bald zu erklären: „Ich habe gestern Abend hier in Köln den letzten Zug verpasst." Das war zwar eine Begründung für den frühen Aufbruch am Kölner Hauptbahnhof. Nicht aber fürs nächtliche Zugfahren. Ich schaute weiterhin fragend.

    „Naja", sagte er. „Als ich gestern nach der Arbeit den letzten Zug in Köln verpasst hatte war ich zu geizig, um mir ein Hotel zu nehmen. Dann bin ich halt die ganze Nacht irgendwo in Deutschland herumgefahren. Mit Bahncard 100 kostet das ja nix." In Koblenz sei er gewesen und in Bingen am Rhein, später im Ruhrgebiet, in Duisburg, Essen, Dortmund. Ganz gut geschlafen habe er obendrein. „In den alten Intercitys mit den alten Sitzen, die sind doch recht bequem", sagte er.

    Ich war beeindruckt. Doch er setzte noch einen drauf: „Langsam bin ich das schon gewöhnt. In den letzten vier Wochen hab ich schon bestimmt zehn Mal den letzten Zug verpasst." Ich rechnete kurz nach. Vier Wochen - das machte zwanzig Arbeitstage. Wenn die Geschichte stimmte, hatte er in mindestens der Hälfte der Fälle in irgendwelchen Zügen übernachtet. „Da wird der Zug ja schon fast zum zweiten Zuhause", sagte ich. „Stimmt", sagte er. „Schließlich ist die Bahncard 100 im Monat ja mindestens genauso teuer wie eine Wohnungsmiete."

    Als er das sagte, kam mir ein schrecklicher Gedanke. Der Mann wohnte doch nicht etwa im Zug? Abteil statt Schlafzimmer - das konnte ich mir ja gerade noch vorstellen. Bord-Bistro statt Küche - da wurde es schon schwieriger. Jeden Tag kalte Suppe mit fettigem Fleisch. Und zum Frühstück mäßig aufgebackenes Fertigcroissant. Und dann? Zähneputzen in der Zugtoilette? Umziehen? Waschen?

    Ich musterte ihn verstohlen. Wie zerknittert sah er aus? Könnte es sein, dass er schon mehrere Nächte hintereinander...??? Ich überlegte gerade, wie unhöflich es wäre, ihn danach zu fragen, als er sagte. „Jetzt fahre ich erstmal nach Hause nach Limburg und gehe unter die Dusche.

    FAZ-Blog: http://faz-community.faz.net/blogs/willkomm…/zugschlaf.aspx
    Veröffentlicht 06. Februar 2010, 10:21 von Nadine Bös

    Als ich den Artikel am Sonntag las, habe ich doch recht schmunzeln müssen, ich erlebe alle 8 Gründe (fast) tagtäglich am eigenen und am Leibe der Fahrgäste live mit. Punkt 3 und 4 besonders, aber auch 1 und 2 sprechen es klar aus.

    "Von Preisen und Pannen
    Acht Gründe, die Bahn zu hassen

    Zu Beginn des Winters fing alles ganz normal an. Die eine oder andere eingefrorene Weiche, ein paar verspätete Züge: Daran sind erfahrene Bahnfahrer längst gewöhnt. Doch mittlerweile verläuft kaum eine Zugfahrt reibungslos. Und eine Entschädigung springt selten dabei heraus."

    Acht Gründe, die Bahn zu hassen

    Sächsische Schweiz
    Abgestürzte Piloten tot aufgefunden

    In der Sächsischen Schweiz ist es am Sonntagabend zu einem Flugzeugunglück mit zwei Todesopfern gekommen. Die Polizei bestätigte MDR 1 RADIO SACHSEN, dass die beiden Piloten am Morgen tot aufgefunden wurden. Die kleine Maschine vom Typ Cessna war im Gebiet des Großen Zschirnsteins abgestürzt. Rettungskräfte mussten die Suche in der Nacht in dem felsigen Waldgebiet im Elbsandsteingebirge unterbrechen.

    Kontakt um 20:20 Uhr verloren

    Bisherigen Erkenntnissen zufolge war die Maschine in Prag mit Kurs auf das schwedische Karlstadt gestartet. Wie die Deutsche Flugsicherung mitteilte, riss der Kontakt mit den Piloten um 20:20 Uhr ab. Zu diesem Zeitpunkt habe sich das Flugzeug 36 Kilometer südöstlich von Dresden befunden. Die Piloten hätten eine Freigabe erhalten, von 8.000 Metern auf rund 10.500 Meter zu steigen. Dies sei aber nicht mehr bestätigt worden, die Maschine vom Radar verschwunden.

    In der Nähe von Reinhardtsdorf-Schöna (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) muss die Cessna mit Platz für bis zu acht Passagiere stark an Höhe verloren haben. Um den Großen Zschirnstein wurden in der Nacht bereits Trümmerteile gefunden.

    http://www.mdr.de/sachsen/dresden/7091585.html