Yongnuo RF-602 Blitzfunkauslöser
Mittwoch, 4. Mai 2011
Vor nicht allzu langer Zeit kam in mir der Gedanke nach entfesseltem Blitzen auf.
Nach einiger Recherche stößt man dabei früher oder später auf einen im Fotomarkt noch recht unbekannten „China-Hersteller“ namens „Yongnuo“. Neben günstigen Aufsteckblitzen und anderem Zubehör bietet dieser Hersteller mit dem RF-602 laut Produktbeschreibung ein Set aus Sender und Empfänger an, mit dem es möglich sein soll, einen oder mehrere Systemblitze entfesselt über Funk mit der Kamera auszulösen. Bei einem Preis von etwa 50,00 € konnte ich nicht widerstehen und habe zugeschlagen. Vom großen Fluss war zwei Tage später dann das ziemlich kleine Päckchen da:
Das kleinere Gerät aus dem Set (im Foto oben links) ist der Sender, er kann ebenso wie der Empfänger mit handelsüblichen Batterien bestückt werden. Der Sender wird auf den Blitzschuh der Kamera geschoben, allerdings gibt es keine Möglichkeit ihn wie bei den Speedlites üblich zu arretieren. Aufgrund des geringen Gewichts habe ich damit aber in der Praxis keine Probleme gehabt. Außerdem verfügt er an der Oberseite über einen Auslöser mit zwei Druckpunkten (dazu später mehr) und an der Unterseite über Schieber zu Kanalwahl.
Der Empfänger ist das größere Gerät. Er verfügt über einen Blitzschuh, sodass sich ein Systemblitz auf ihm befestigen lässt. An der Oberseite befinden sich der On-Schieber und die Kanalwahl.
Der RF-602 ist eigentlich ein 2in1 Gerät, denn neben dem Blitzfunkauslöser beinhaltet es auch einen regulären Funkfernauslöser. Für diese Funktion dient der Sender als Funkauslöser und der Empfänger, welcher sonst den Blitz auslöst, wird über ein Fernauslöserkabel mit der Kamera verbunden. Die zwei Druckpunkte des Senders dienen wie an der Kamera dem Fokus und der Auslösung. Insgesamt ein nettes Feature, was einen zusätzlichen Fernauslöser überflüssig macht.
Zum eigentlichen Blitzfernauslöser:
Der RF-602 unterstützt kein ETTL, Canons automatische Blitzsteuerung, sondern die auszulösenden Blitze müssen im Modus M betrieben werden, was Kenntnisse in der Materie oder „Learning by Doing“ voraussetzt. Außerdem kann er kein HSS, was theoretisch bedeutet, dass Belichtungszeiten kürzer als 1/300—1/200sec (Kamera abhängig) ausschließt. In der Praxis sind aber in der Regel nicht einmal diese Zeiten möglich. An der 5D schafft man mit dem RF-602 minimal 1/160sec, wohingegen mit der 7D sogar 1/200sec, manchmal sogar 1/250sec möglich sind. Für die Arbeit im Indoor-Studio sollten diese Zeiten jedoch in der Regel ausreichen. Problematisch wird es erst im Outdooreinsatz bei Offenblende, da dort meist Zeiten jenseits der 1/250sec entstehen. Für dieses Anwendungsgebiet empfehlen sich andere Systeme wie z.B. Pocket Wizard, die auch HSS unterstützen.
Ich war positiv von der Zuverlässigkeit von schätzungsweise etwa 95% überrascht, was für den normalen Fotografen vollkommen ausreichen sollte. Die 5% Ausschuss können auch durchaus an einer zu kurzen Aufladezeit des Blitzes gelegen haben.
Die Reichweite ist von Yongnuo mit 100 Metern angegeben, was meiner Meinung nach durchaus realistisch ist, da der RF-602 sogar durch Mauerwerk hindurch auslöst.
Die Lebensdauer der Geräte beziffert Yongnuo für den Sender mit 20.000 Auslösungen und für den Empfänger mit 48h.
Im Großen und Ganzen könnte sich für den ein oder anderen Fotografen trotz einiger Schwächen ein genauer Blick auf den RF-602 von Yongnuo lohnen, vor allem in Anbetracht des günstigen Preises im Vergleich zu anderen Systemen, die im Bereich von 200-400 € liegen.
Im Indooreinsatz lässt sich mit dem Yongnuo schnell und günstig ein einfaches und unkompliziertes Studiosetup realisieren. Im Outdooreinsatz bieten sich eher andere Systeme oder ein ETTL-Kabel an.