Lokführer-Gehalt über dem Schnitt
Aktuelle Studie vergleicht die Löhne mit den Einkünften in anderen Berufen
Lokführer-Gehalt über dem Schnitt
Laut Lokführer-Gewerkschaft bekommen die Bahn-Mitarbeiter im Führerstand nur 1500 Euro netto im Monat. Nach offiziellen DB-Gehaltstabellen liegt das Einkommen aber darüber, wie jetzt auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt.
NÜRNBERG - Morgen Nachmittag wird die Lokführer-Gewerkschaft GDL bekanntgeben, ob und wann sie wieder streikt. Nach wie vor, so die Begründung von GDL-Vize Claus Weselsky, wolle die Bahn nichts von einem eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer wissen. Und die bisher angebotene Einkommenserhöhung sei zudem nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Und um das zu unterstreichen, wird GDL-Chef Manfred Schell bis heute nicht müde zu erklären, dass Lokführer monatlich nur 1500 Euro netto verdienen würden. Doch auch wenn die Zahl nicht frei erfunden ist: Ganz richtig ist sie auch nicht.
Dafür genügt schon ein Blick in die offizielle Gehaltstabelle des DB-Konzerns, die der Redaktion vorliegt. Dementsprechend verdient ein Lokführer in der untersten Entgeltstufe 8/1 monatlich tatsächlich nur 1933,34 Euro brutto. In der zweiten Entgeltstufe 8/3 sind es 2102,53 Euro. Dazu kommen aber feste jährliche Zuwendungen des Konzerns, wie das 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld und diverse fixe Zulagen, so dass am Jahresende in der Entgeltstufe 8/1 rund 31 540 Euro Brutto-Jahreseinkommen stehen. In der Stufe darüber sind es rund 33 740 Euro.
Monatlich bekommt ein Lokführer also 2628 beziehungsweise 2811 Euro brutto. Dazu kommen laut der Gewerkschaft Transnet nochmals variable Zulagen, die aber beispielsweise je nach gefahrenen Schichten individuell stark variieren können und schwer zu beziffern sind.
Lokführern mit Beamtenstatus - das sind etwa 7900 von insgesamt über 19 600 Lokomotivführern bei der Deutschen Bahn, die noch vor der Bahnreform 1994 eingestellt wurden und nicht unter die Tarifverhandlungen fallen - bleibt allein schon durch die geringeren Sozialabgaben monatlich etwa 500 Euro mehr zum Leben.
Dass die Lokführer für ihre harte Arbeit nicht üppig, aber auch nicht schlecht verdienen, bestätigt jetzt auch eine Studie von DIW econ, einer Beratungstochter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, die allerdings von der Deutschen Bahn in Auftrag gegeben wurde.
Das Ergebnis dürfte den Bahn-Vorstand dann auch freuen: Demnach liegt das Einkommen der Lokführer mit einem durchschnittlichen Stundenlohn zwischen 19,60 Euro brutto (unverheirateter Lokführer, 27 Jahre alt, ohne Kinder, Berufsanfänger) und 21,77 Euro (verheiratet, 50 Jahre alt, ein Kind, 26-jährige Berufserfahrung) über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 17,37 Euro.
Allerdings liegen die Lokführer nach der Studie auch unter dem Gehaltsdurchschnitt im restlichen verarbeitenden Gewerbe, wo es Beschäftigte auf bis zu 25,15 Euro brutto in der Stunde bringen. Facharbeiter etwa in der Mineralölindustrie und in der Automobilindustrie verdienen mehr, so das Fazit. Doch die Studie hält auch fest, dass «die tatsächlichen Zahlungen wegen Überstunden höher ausfallen können»: Berechnungsgrundlage waren alleine die Tariflöhne und die festen Zuschläge.
Große Unterschiede
Während die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass die Lokführer bei der DB in Deutschland in der Mehrzahl auch besser bezahlt würden als die Kollegen bei privaten Bahnen, zeigten sich international jedoch große Differenzen. Höhere Einkommen würden so beispielsweise Lokführer in Schweden (2840 Euro brutto/Monat), Großbritannien (2960 Euro), Dänemark (3800 Euro) und der Schweiz (bis zu 4500 Euro) erzielen.
Einschränkend bemerken die Experten aber, dass der Vergleich der reinen Bruttolöhne problematisch sei, weil eigentlich noch die Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern miteinberechnet werden müssten.