Den Kommentar bei aero.de bewerte ich persönlich recht kritisch. Möchte auch gerne weiter ausführen, wieso.
Ich brings mal auf den Punkt: Die Luftfahrt, insbesondere die europäische, ist am Arsch. Vieles ist mehr Politikum, als Business. Das Tagesgeschäft verschiebt sich in allen Abteilungen immer mehr in Richtung Reporting und gegenseitige Schuldzuweisung als gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass immer mehr Konkurrenz und Kostendruck entsteht und Versprechen getätigt werden, die absolut nicht mehr zu halten sind. Dies gilt sowohl in den Beziehungen Business to Business, als auch Business to Customer.
Hier ist ein Entgegenkommen auf beiden Seiten enorm wichtig. Das gilt sowohl für Mitarbeiter und Gewerkschaften, die einsehen müssen, dass Altverträge für neue Mitarbeiter nicht mehr zu halten sind, als auch für das Management, welches nicht nur die Investoren und Aktionäre im Blick haben sollte. Viele für Airlines wichtige Dienstleister arbeiten bereits am absoluten Kostenlimit und können ihre Mitarbeiter bereits schon nicht mehr vernünftig bezahlen. Hier drücken Airlines nach wie vor die Preise. Das ganze wird früher oder später zum Kollaps führen. Das hier ist der Anfang. Aber wie sagt man so schön? Die Regeln der Luftfahrt sind mit Blut geschrieben. Es muss immer erst etwas passieren ...
Jetzt komme ich zu dem kritischen Teil. Diese Aktion schadet der TUI finanziell enorm. Medienwirksam ist das ganze für Außenseiter eher weniger. Wie viele Zeitungen oder Nachrichtensender hinterfragen die Zusammenhänge denn wirklich tiefgründig? Im Endeffekt schaden sich die Mitarbeiter damit selbst, so traurig das ist. Kommt es zum finanziellen Ruin der TUIfly, war's das. Die Mitarbeiter haben auf ihre Weise ihren Standpunkt klargemacht. Das Management hat aber leider zuvorkommend einen miesen, jedoch kleveren Schachzug gemacht. Ich persönlich kann jeden verärgerten Mitarbeiter verstehen. In der Situation würde es mir nicht anders gehen.
Ich persönlich rege mich aber auch über eine erhebliche Doppelmoral auf. Immer und immer wieder muss man sich als Dienstleister von den Crews anhören, wie schlecht die gelieferte Qualität doch ist. Man setzte auf hohe Standards und Passagierzufriedenheit. Und das obwohl die Meisten genau wissen, unter welchen Bedingungen, sprich Kosten- und Gehaltsstrukturen die Dienstleister teilweise arbeiten müssen. Geht es jetzt aber ums eigene Geld und die eigene Zukunft, spielt hohe Qualität, Zuverlässigkeit und Passagierzufriedenheit plötzlich eine untergeordnete Rolle. Und an dem Punkt hört das Verständnis bei mir völlig auf. Nicht zuletzt weil einzig und alleine die Passagiere, Ground Ops, sowie TUIfly Bodenmitarbeiter die Leidtragenden sind. Das ist ein Protest, der auf dem Rücken Anderer ausgetragen wird.