Ich habe immer noch die Fliegeritis.
Naha (Okinawa) nach Sendai. Normalerweise findet dieser Flug mit einem A321 statt aber aufgrund von Wetter-bedingter Flugplanverschiebungen (Schnee) wurde der Flug am Vortag annulliert und nun muss das Dickblech zum Aufräumen ran.

Unsere JA741A ist gerade aus Hiroshima angekommen. Wir übernehmen den Vogel auf den Umläufen Naha - Sendai und Sendai - Sapporo. Der letzte Umlauf findet in der Regel mit B738 statt (und könnte auch mit B738 stattfinden), wird aber ebenfalls mit diesem Dickblech durchgeführt, damit der Vogel am nächsten Tag ins normale Pattern zurück kann.

Die Ladecrew hat schon mal die Jacken angezogen, da die Regenfront schon ziemlich nah am Flughafen dran ist. Also schnell rein mit dem Zeug und dann ab ins Trockene.

Der HO (Headset Operator) knattert noch schnell die Stützräder an der Stange hoch [und zwar so laut, dass wir es dank GSX auch im Cockpit hören] bevor es los geht. Ich ignoriere derweil das non-standard chocking des Bugrades und unterdrücke das nervöse Augenzucken.

Mit einer Minute Verspätung ("Rollverkehr" - zwinker, zwinker) geht es zurück und wir können uns endlich auf die Reise machen.

Och wie schön, ein Regenbogen verabschiedet uns während wir zur Runway 36R rollen.

Natürlich konnte die Front nicht noch ein paar Minten ausharren. Nein, wir dürfen da jetzt schön durchfegen. Hilft alles nichts. Hebel nach vorne pressen und ab die wilde Fahrt. Und wie immer gilt: Grib it and rip it.

Gut zwei Minuten nach dem Start, wir sind immer noch von einem freundlichen Frühlingsgrau umgeben, lässt sich so etwas wie Sonne erahnen.

Und siehe da! Wir brechen aus den Wolken (einige Passagiere hingegen in die Tüten) und herrlich blauer Himmel begrüßt uns mit einem inbrünstigen "いらっしゃいませ!!". Die Kollegen weit, weit über uns hatten schon etwas länger blauen Himmel. Es ist zumindest davon auszugehen.

Bei Ausblicken wie diesen spielt automatisch die italienischen Filmkomödie "Robinson Jr." in meinem Kopf ab. "Entschuldigen Sie, was zeigen die gerade? Aha. Das Meer. Sie zeigen das Meer. Schon wieder das Meer."

Nach ziemlich genau zwei Stunden befinden wir uns endlich im Sinkflug während die Sonne sich so langsam verabschiedet. Weit am Horizont, da hinten unter den Wolken. Dort befindet sich Yuzawa. Ein berühmtes Skiresort, wo man herrlich die Piste herunter purzeln kann. Habe ich gehört ...

Wir müssen tatsächlich ganz schön Anker werfen (ne, ne, Speedbrakes. Nicht Fuß aus dem Bett im Vollsuff), denn der Vogel will nicht so richtig an Geschwindigkeit verlieren.

Unser Anflug heute ist der RNAV auf die Runway 27. Dieser ist tatsächlich nicht ganz ohne, da wir hot and high rein kommen und in einem knappen Turn in Richtung Bahn eindrehen. Dafür macht er aber auch riesig Spaß.

Besagter Turn auf die Bahn. Die Sonnenbrille sollte ein Item auf der Checkliste werden.

Mit 377 Passagieren und gut 300 Koffern an Bord sind wir selbst auf diesem Inlandshüpfer nicht gerade leicht. Außerdem müssen wir Zeit reinholen, also brav die Pedale mit den Füßen kräftig durch die (der? das? dem? diese?) Radome pressen.

Unsere Ladecrew (und die Ghost Busters ebenso) müssen jetzt ziemlich çabuk, çabuk machen, damit wir in 40 Minuten wieder weg können.

Ach, der rechte Reifen passt schon noch. Es ist ja nicht so, als würde Sapporo gerade im absoluten Schneechaos versinken oder so ...

Fast forward gut 40 Minuten und wir können stolz berichten, dass alle çabuk, çabuk gemacht haben und wir sogar zwei Minuten vorher raus sind.

Wir gleiten elegant in die Nacht hinein und ich verabschiede mich an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal wenn es heißt "今日もANAとスターライアンスパートナーとのコードシェア便をご利用いただきましてありがとうございました。"